Samstag, 28. November 2015

[ #eText ] Katholische Sozialenzykliken

Am 15. Mai 1961 veröffentlichte Papst Johannes XXIII. "Mater et Magistra", die als "Mitbestimmungs-Enzyklika" in die Geschichte eingegangen ist. Nicht nur die Verteilung des Wirtschaftsertrages müsse der Gerechtigkeit entsprechen, heißt es dort, sondern auch der gesamte Wirtschaftsvollzug. 

Mater et Magistra.   Johannes XXIII ging es darum, grundsätzliche Anforderungen an gerechte Teilhabe der Arbeitnehmer am betrieblichen Entscheidungsprozeß klar zu benennen: Die Unternehmensverfassung müsse sich dadurch auszeichnen, dass sie bei aller gebotenen "Einheitlichkeit der Leitung" keineswegs Menschen, die "Tag für Tag" im Unternehmen arbeiten, als "bloßen Untertan" betrachten dürfe, "dazu bestimmt, stummer Befehlsempfänger zu sein, ohne das Recht, eigene Wünsche und Erfahrungen anzubringen" (Ziffer 92). Die "rechte" Art der Mitbestimmung und die dem jeweiligen Stand der Wirtschaft angepassten institutionellen Regeln in einzelnen festzusetzen, überließ Johannes XXIII dabei ausdrücklich den Sozialpartnern und der Sozialpolitik. Denn, so "Mater et Magistra" (Ziffer 84), es sei "unmöglich, ein für allemal die Art des Wirtschaftens zu bestimmen, die am besten der Menschenwürde entspricht, die am besten im Menschen das Verantwortungsbewusstsein für seine Arbeit zu wecken vermag."

Rundschreiben. Sozialenzyklika ist die Bezeichnung für ein päpstliches Schreiben zu sozialen Fragen. Wie zur Glaubens- und Sittenlehre, so äußert sich das päpstliche Lehramt auch zur Soziallehre. Es tut dies unter anderem in Form der Enzyklika, zu deutsch "Rundschreiben". Die erste Sozialenzyklika "Rerum novarum" wurde am 15. Mai 1891 von Papst Leo XIII. vorgelegt. Sie ist, wie bei Enzykliken üblich, nach den Anfangsworten des in der Regel lateinischen Originaltextes benannt.

Auf der Website der Uni Innsbruck findet man sieben Sozialenzykliken im virtuellen Leseraum, wobei andere Quellen andere Enzykliken und Apostolische Schreiben mehr dazu aufzählen. Wiewohl sich die kahtolische Kirche auch in Vorarlberg sehr wohl und sehr vorsichtig gesellschaftspolitisch einlässt, ist die Beschäftigung mit den Sozialenzykliken eher selten.

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