Montag, 16. Juli 2018

[ #eText ] Unterstützte Kommunikation durch Körper und Maschine


Open Access. Eine konversationsanalytische Untersuchung.

In der Arbeit wird eine besondere Form der Interaktion unter erschwerten Bedingungen untersucht; die Unterstützte Kommunikation. Hierbei werden Menschen mit schweren lautsprachlichen Beeinträchtigungen mit elektronischen Kommunikationshilfen ausgestattet, die ihre fehlende Lautsprache ergänzen bzw. ersetzen sollen.

Die Arbeit untersucht mit den Mitteln der Konversationsanalyse, warum viele Menschen mit lautsprachlichen Beeinträchtigungen seltener als erwartet auf externe Hilfsmittel zurückgreifen und sich stattdessen häufig lieber auf ihre körpereigenen Ausdrucksressourcen (wie Blick, Gestik, Mimik, Vokalisation) verlassen. Anhand detaillierter Untersuchungen der interaktiven Praktiken, die zwischen Menschen mit schwerer Infantiler Cerebralparese (ICP) und ihren natürlich sprechenden Interaktionspartnern eingesetzt werden (mit oder ohne Hilfsmittel), wird ein umfassendes Bild von den Möglichkeiten und Grenzen der Unterstützten Kommunikation gegeben.

Eine wichtige Rolle spielen dabei einerseits die veränderte Interaktionssituation, zu der ein Einsatz elektronischer Hilfsmittel führt, und andererseits die normativen (an der Schriftsprache orientierten) Erwartungen, die an die Anwender externer Kommunikationshilfen gestellt werden.

Dr. Ina Hörmeyer.  Die Autorin Dr. Ina Hörmeyer hat Germanistik, Philosophie und Allgemeine Sprachwissenschaft an den Universitäten Münster und Freiburg studiert. Von 2012-2014 arbeitete sie an der Universität Freiburg (Abteilung für Germanistische Linguistik) in dem Forschungsprojekt „Interaktive Bedingungen Unterstützter Kommunikation bei Menschen mit schwerer Infantiler Cerebralparese“. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Interaktion unter erschwerten Bedingungen (besonders Unterstützte Kommunikation), Konversationsanalyse und Angewandten Linguistik.

Verlag für Gesprächsforschung. Der Verlag für Gesprächsforschung ist ein Fachverlag für wissenschaftliche Untersuchungen, die sich mit Gesprächen beschäftigen, und für Studien zur Anwendung von solchen Forschungsergebnissen in der Praxis. Sie stammen aus unterschiedlichen Fachrichtungen wie Sprachwissenschaft, Soziologie, Sprechwissenschaft, Ethnographie, Psychologie und Medienwissenschaft. Gemeinsam ist diesen Untersuchungen, dass sie bei ihren Analysen Aufzeichnungen von authentischen Alltagsgesprächen verwenden.Alle Bücher sind grundsätzlich kostenlos und stehen online als PDF zur Verfügung (Open Access).

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 7
1 Sprachliche Interaktion 11
1.1 Allgemeine Merkmale von sprachlicher face-to-face Interaktion 11
1.2 Sprachliche Interaktion unter erschwerten Bedingungen 13
1.3 Sprachliche Interaktion unter Einsatz externer Hilfsmittel 14
2 Daten und Methode 18
2.1 Hintergrundinformationen 18
2.1.1 Infantile Cerebralparese 18
2.1.2 Dysarthrie 20
2.1.3 Elektronische Kommunikationshilfen 21
2.1.3.1 Tobii C12 22
2.1.3.2. Ecotalker 26
2.2. Datenerhebung und –verarbeitung 28
2.3 Methode: Konversationsanalyse 31
3 Auswirkungen elektronischer Kommunikationshilfen auf die face-to-face Interaktion 33
3.1 Auswirkungen auf die Fokussierte Interaktion 33
3.1.1 Fokussierte Interaktion in Gesprächen mit Menschen mit ICP 34
3.1.2 Einsatz elektronischer Kommunikationshilfen in der fokussierten
Interaktion 40
3.2 Auswirkungen auf die Sprecherrollen 52
3.2.1 Die Kommunikationshilfe als Animator 53
3.2.2 Die Rollen der Interaktionspartner 66
3.2.2.1 Der Rezipient als Helfer 66
3.2.2.2 Sprechen für und Sprechen über 76
3.3 Auswirkungen auf Temporalität und Sequentialität 92
3.3.1 Verlangsamung der Interaktion 93
3.3.2 Einschübe 102
3.3.3 Sequentielle Verschiebung 108
3.4 Auswirkungen auf den Sprecherwechsel 121
3.4.1 Das Rederecht übernehmen 122
3.4.1.1 Fremdwahl 123
3.4.1.2 Selbstwahl 129
3.4.2 Das Rederecht übergeben 137
3.5 Zusammenfassung Kapitel 3 146
4 Wahl der Interaktionsmodalität im Spannungsfeld zwischen
Verstehenssicherung und Schnelligkeit 148
4.1 Der Konflikt zwischen Verstehenssicherung und Schnelligkeit 148
4. 1.1 Verstehenssicherung als Motivation für die Wahl der Interaktionsmodalität 149
4.1.2 Schnelligkeit als Motivation für die Wahl der Interaktionsmodalität 157
4.1.2.1 Explizite Strategien 159
4.1.2.2 Implizite Strategien 162
4.1.3 Eine interaktionale Lösungsstrategie: Das Ökonomieprinzip 168
4.2 Die Anwendung des Ökonomieprinzips bei der Bewältigung verschiedener
kommunikativer Aufgaben 169
4.2.1 Die Anwendung des Ökonomieprinzips auf verschiedene sprachliche
Handlungen 169
4.2.1.1 Responsive Handlungen 170
4.2.1.1.1 Antworten auf W-Fragen 171
4.2.1.1.2 Antworten auf Entscheidungsfragen 180
4.2.1.2 Initiative Handlungen 189
4.2.1.2.1 Fragen stellen 190
4.2.1.2.2 Neuigkeiten erzählen 208
4.2.2 Die Anwendung des Ökonomieprinzips zur Darstellung von Emotionen 225
4.2.2.1 Die Darstellung von Stance bei Einsatz der elektronischen Hilfe 226
4.2.2.2 Die Darstellung von Stance beim Sprechen für 233
4.2.2.3 Die Darstellung von Ärger und Trauer 239
4.2.3 Die Anwendung des Ökonomieprinzips bei verschiedenen
Interaktionspartnern 255
4.2.3.1 Fremde Interaktionspartner 256
4.2.3.2 Mehrere Interaktionspartner 265
4.2.3.3 Interaktion mit gleichaltrigen Freunden 281
4.3 Zusammenfassung Kapitel 4 291
5 Wahl der Interaktionsmodalität in Abhängigkeit von normativen
Erwartungen 292
5.1 Typen normativer Erwartungen 292
5.1.1 Wahl der Interaktionsmodalität 294
5.1.1.1 Wahl zwischen Maschine und Körper 295
5.1.1.2 Wahl zwischen Maschine und Sprechen für 301
5.1.2 Grammatische Struktur der elektronischen Äußerungen 309
5.2 Strategien sprachgesunder Teilnehmer zur Durchsetzung sprachlich
interaktiver Normen 323
5.2.1 Reparaturinitiierungen 326
5.2.2 Fremdreparaturen 333
5.2.3 Positive Sanktionen 342
5.3 Internalisierte Normen 348
5.3.1 Gebrauch der Kommunikationshilfe 349
5.3.2 Syntaktische Komplexität 353
5.4 Zusammenfassung Kapitel 5 362
6 Individuelle Wege in der Unterstützten Kommunikation 363
6.1 Ninas Weg: Ko-Konstruktion von Bedeutung 363
6.1.1 Einfaches Bestätigen von Konjekturen 365
6.1.2 Ablehnen von Konjekturen 368
6.1.3 Körperlich verstärktes Bestätigen von Konjekturen 372
6.1.4 Elektronisches Bestätigen von Konjekturen 377
6.2 Reginas Weg: Sequentiell spezifischer Einsatz der Kommunikationshilfe 383
6.2.1 Responsive Äußerungen 384
6.2.2 Initiative Äußerungen 391
6.2.3 Interaktionspartner als Ressource 400
6.3. Max‘ Weg: UK-spezifische Verzögerungen bei der Äußerungsproduktion 403
6.3.1 Umgang mit UK-spezifischen Verzögerungen in Interaktionen
mit Freunden 405
6.3.2 Umgang mit UK-spezifischen Verzögerungen in Interaktionen
in der Schule 418
6.4. Sonjas Weg: Einsatz maschineller Ressourcen 425
6.4.1 Interaktion mit der Mutter 426
6.4.2 Unterrichtsinteraktion 440
6.5. Martins Weg: Verwendung vorgefertigter Phrasen 446
6.5.1 Verwendung der Einwort-Frage Warum? 448
6.5.2 Verwendung von bewertenden Phrasen So eine Scheiße und das ist schön 455
6.6 Zusammenfassung Kapitel 6
7 Fazit und Implikationen für die Praxis 464
8 Literatur 468
9 Anhang 484
9.1 Transkriptionskonventionen 484
9.2 Abbildungsverzeichnis 487
9.3 Tabellenverzeichnis 487