Montag, 2. Januar 2017

[ #Digitalisat ] Alfred Adler: Studie über Minderwertigkeit von Organen

Alfred Adler, der Gründer der Individualpsychologie, führte den Begriff Kompensation im Jahre 1907 in seiner Studie über die Minderwertigkeit der Organe als Antwort des Organismus auf eine Organminderwertigkeit ein. 

Adler stellte fest, dass wenn sich im wechselseitigen Verhältnis von Organ und Umgebung das Gleichgewicht gegen den Organismus zu wenden droht, dieser mit Kompensierungsversuchen antwortet. Da die Psyche im übergeordneten Zentralnervensystem, als Teil des Gesamtorganismus, beim Kompensationsprozess eine Rolle spielt, gelangte Adler zum Begriff der seelischen Kompensation.

Später erweiterte Adler seine Theorie mit dem Konzept des Minderwertigkeitsgefühls. Die Individualpsychologie sieht die Ursache der Kompensation beim Minderwertigkeitsgefühl des Kleinkindes aufgrund seiner Unvollkommenheit als menschliches Wesen. Wenn das Minderwertigkeitsgefühl zu stark ist, kann sich auf dem Weg der Kompensation ein neurotischer Lebensplan entwickeln. Eine wirklich vorhandene Minderwertigkeit, die übertrieben erlebt wird, kann mit einer mehr oder weniger eingebildeten Überlegenheit kompensiert werden. Die Situation der Minderwertigkeit oder Unterlegenheit fand Adler im psychischen Bereich vor allem bei den drei Lebensaufgaben Arbeit – Liebe - Gemeinschaft (Säugling, Geschwisterreihe, Schule, Beruf, Ehe, Prüfungssituationen usw.) wieder. Sie löst beim Menschen einen Gefühlszustand aus, den Adler Minderwertigkeitsgefühl nannte. Ähnlich wie bei der Kompensation einer Organminderwertigkeit, ist die menschliche Psyche bestrebt, diesen Zustand der Unterlegenheit durch ein – wie Adler es nannte – Geltungsstreben zu überwinden.

Alfred Adler. (* 7. Februar 1870 in Rudolfsheim bei Wien, heute Teil des 15. Wiener Gemeindebezirks, Rudolfsheim-Fünfhaus; † 28. Mai 1937 in Aberdeen, Schottland) war ein österreichischer Arzt und Psychotherapeut. Er entstammte einer jüdischen Familie und konvertierte im Jahr 1904 zum Protestantismus. Adler ist der Begründer der Individualpsychologie.

Adlers Lehre hatte eine große, eigenständige Wirkung auf die Entwicklung der Psychologie und Psychotherapie im 20. Jahrhundert. Sie beeinflusste die psychotherapeutischen Schulen von Rollo May, Viktor Frankl, Abraham Maslow und Albert Ellis. Seine Schriften nahmen viele Einsichten der Neopsychoanalyse vorweg, die sich in erstaunlichem Einklang mit der Individualpsychologie in den Werken von Karen Horney, Harry Stack Sullivan und Erich Fromm wieder finden.

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