Montag, 10. August 2015

[ #eText ] Johann Gottfried von Herder: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Das Hauptwerk von Johann Gottfried von Herder "Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit" steht als eText online. 

Es beruht auf den Gedanken, die er bereits in kleineren Schriften veröffentlicht hatte. Die im Jahr 1774 erschienene Abhandlung Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit bezeichnet Herder im Vorwort der Ideen als einen Beitrag zu Beyträgen. Das neue Werk, an dem er über neun Jahre gearbeitet hat, war als weitläufigere, umfassendere und detailliertere Abhandlung seiner geschichtsphilosophischen Gedanken geplant. Den Plan für seine „Philosophie der Geschichte“ entwarf Herder im Oktober 1782. Mit der Niederschrift begann er im Frühjahr 1783. Der erste Teil, die naturphilosophische Grundlegung zu den geschichtsphilosophischen Betrachtungen, erschien im Frühjahr 1784. Die weiteren Teile folgten im April 1785 und 1787 und schließlich im Herbst 1791. Herder hatte eine weitere Fortsetzung geplant.

Das Werk ist eine Zusammenfassung seiner Erkenntnisse über die Erde und den Menschen, „dessen einziger Daseinszweck auf Bildung der Humanität gerichtet ist, der alle niedrigen Bedürfnisse der Erde nur dienen und selbst zu ihr führen sollen“. Er legte seine Auffassungen über Sprachen, Sitten, Religion und Poesie, über Wesen und Entwicklung der Künste und Wissenschaften, über die Entstehung von Völkern und historischer Vorgänge dar. Vernunft und Freiheit hielt er für Produkte der „natürlichen“ ursprünglichen Sprache, Religion für den höchsten Ausdruck menschlicher Humanität. Die unterschiedlichen natürlichen, historischen, sozialen und psychologischen Umstände führen zur vielschichtigen Differenzierung der Völker, die verschieden aber dennoch gleichwertig sind.

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Inhalt:
Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Erster Teil
Vorrede
Erstes Buch
1. Unsere Erde ist ein Stern unter Sternen
2. Unsre Erde ist einer der mittleren Planeten
3. Unsre Erde ist vielerlei Revolutionen durchgegangen, bis sie das, was sie jetzt ist, worden
4. Unsre Erde ist eine Kugel, die sich um sich selbst und gegen die Sonne in schiefer Richtung beweget
5. Unsre Erde ist mit einem Dunstkreise umhüllet und ist im Konflikt mehrerer himmlischen Sterne
6. Der Planet, den wir bewohnen, ist ein Erdgebirge, das über die Wasserfläche hervorragt
7. Durch die Strecken der Gebirge wurden unsre beiden Hemisphäre ein Schauplatz der sonderbarsten Verschiedenheit und Abwechslung
Zweites Buch
1. Unser Erdball ist eine große Werkstätte zur Organisation sehr verschiedenartiger Wesen
2. Das Pflanzenreich unserer Erde in Beziehung auf die Menschengeschichte
3. Das Reich der Tiere in Beziehung auf die Menschengeschichte
4. Der Mensch ist ein Mittelgeschöpf unter den Tieren der Erde
Drittes Buch
1. Vergleichung des Baues der Pflanzen und Tiere in Rücksicht auf die Organisation des Menschen
2. Vergleichung der mancherlei organischen Kräfte, die im Tier wirken
3. Beispiele vom physiologischen Bau einiger Tiere
4. Von den Trieben der Tiere
5. Fortbildung der Geschöpfe zu einer Verbindung mehrerer Begriffe und zu einem eignen freiern Gebrauch der Sinne und Glieder
6. Organischer Unterschied der Tiere und Menschen
Viertes Buch
1. Der Mensch ist zur Vernunftfähigkeit organisieret
2. Zurücksicht von der Organisation des menschlichen Haupts auf die niedern Geschöpfe, die sich seiner Bildung nähern
3. Der Mensch ist zu feinern Sinnen, zur Kunst und zur Sprache organisieret
4. Der Mensch ist zu feinern Trieben, mithin zur Freiheit organisieret
5. Der Mensch ist zur zartesten Gesundheit, zugleich aber zur stärksten Dauer, mithin zur Ausbreitung über die Erde organisieret
6. Zur Humanität und Religion ist der Mensch gebildet
7. Der Mensch ist zur Hoffnung der Unsterblichkeit gebildet
Fünftes Buch
1. In der Schöpfung unsrer Erde herrscht eine Reihe aufsteigender Formen und Kräfte
2. Keine Kraft der Natur ist ohne Organ; das Organ ist aber nie die Kraft selbst, die mittelst jenem wirket
3. Aller Zusammenhang der Kräfte und Formen ist weder Rückgang noch Stillstand, sondern Fortschreitung
4. Das Reich der Menschenorganisation ist ein System geistiger Kräfte
5. Unsre Humanität ist nur Vorübung, die Knospe zu einer zukünftigen Blume
6. Der jetzige Zustand der Menschen ist wahrscheinlich das verbindende Mittelglied zweier Welten
Zweiter Teil
Sechstes Buch
1. Organisation der Völker in der Nähe des Nordpols
2. Organisation der Völker um den asiatischen Rücken der Erde
3. Organisation des Erdstrichs schöngebildeter Völker
4. Organisation der afrikanischen Völker
5. Organisation der Menschen in den Inseln des heißen Erdstrichs
6. Organisation der Amerikaner
7. Schluß
Siebentes Buch
1. In so verschiedenen Formen das Menschengeschlecht auf der Erde erscheint, so ist's doch überall ein und dieselbe Menschengattung
2. Das eine Menschengeschlecht hat sich allenthalben auf der Erde klimatisieret
3. Was ist Klima, und welche Wirkung hat's auf die Bildung des Menschen an Körper und Seele?
4. Die genetische Kraft ist die Mutter aller Bildungen auf der Erde, der das Klima feindlich oder freundlich nur zuwirket
5. Schlußanmerkungen über den Zwist der Genesis und des Klima
Achtes Buch
1. Die Sinnlichkeit unsres Geschlechts verändert sich mit Bildungen und Klimaten; überall aber ist ein menschlicher Gebrauch der Sinne das, was zur Humanität führet
2. Die Einbildungskraft der Menschen ist allenthalben organisch und klimatisch; allenthalben aber wird sie von der Tradition geleitet
3. Der praktische Verstand des Menschengeschlechts ist allenthalben unter Bedürfnissen der Lebensweise erwachsen; allenthalben aber ist er eine Blüte des Genius der Völker, ein Sohn der Tradition und Gewohnheit
4. Die Empfindungen und Triebe der Menschen sind allenthalben dem Zustande, worin sie leben, und ihrer Organisation gemäß; allenthalben aber werden sie von Meinungen und von der Gewohnheit regieret
5. Die Glückseligkeit der Menschen ist allenthalben ein individuelles Gut, folglich allenthalben klimatisch und organisch, ein Kind der Übung, der Tradition und Gewohnheit
Neuntes Buch
1. So gern der Mensch alles aus sich selbst hervorzubringen wähnet, so sehr hanget er doch in der Entwicklung seiner Fähigkeiten von andern ab
2. Das sonderbare Mittel zur Bildung der Menschen ist Sprache
3. Durch Nachahmung, Vernunft und Sprache sind alle Wissenschaften und Künste des Menschengeschlechts erfunden worden
4. Die Regierungen sind festgestellte Ordnungen unter den Menschen, meistens aus ererbter Tradition
5. Religion ist die älteste und heiligste Tradition der Erde
Zehntes Buch
1. Unsre Erde ist für ihre lebendige Schöpfung eine eigengebildete Erde
2. Wo war die Bildungsstätte und der älteste Wohnsitz der Menschen?
3. Der Gang der Kultur und Geschichte gibt historische Beweise, daß das Menschengeschlecht in Asien entstanden sei
4. Asiatische Traditionen über die Schöpfung der Erde und den Ursprung des Menschengeschlechtes
5. Älteste Schrifttradition über den Ursprung der Menschengeschichte
6. Fortsetzung der ältesten Schrifttradition über den Anfang der Menschengeschichte
7. Schluß der ältesten Schrifttradition über den Anfang der Menschengeschichte
Dritter Teil
Elftes Buch
1. Sina
2. Cochin-Sina, Tunkin, Laos, Korea, die östliche Tatarei, Japan
3. Tibet
4. Indostan
5. Allgemeine Betrachtungen über die Geschichte dieser Staaten
Zwölftes Buch
1. Babylon, Assyrien, Chaldäa
2. Meder und Perser
3. Hebräer
4. Phönicien und Karthago
5. Ägypten
6. Weitere Ideen zur Philosophie der Menschengeschichte
Dreizehntes Buch
1. Griechenlands Lage und Bevölkerung
2. Griechenlandes Sprache, Mythologie und Dichtkunst
3. Künste der Griechen
4. Sitten- und Staatenweisheit der Griechen
5. Wissenschaftliche Übungen der Griechen
6. Geschichte der Veränderungen Griechenlandes
7. Allgemeine Betrachtungen über die Geschichte Griechenlandes
Vierzehntes Buch
1. Etrusker und Lateiner
2. Roms Einrichtungen zu einem herrschenden Staats- und Kriegsgebäude
3. Eroberungen der Römer
4. Roms Verfall
5. Charakter, Wissenschaften und Künste der Römer
6. Allgemeine Betrachtungen über das Schicksal Roms und seine Geschichte
Fünfzehntes Buch
1. Humanität ist der Zweck der Menschennatur, und Gott hat unserm Geschlecht mit diesem Zweck sein eigenes Schicksal in die Hände gegeben
2. Alle zerstörenden Kräfte in der Natur müssen den erhaltenden Kräften mit der Zeitenfolge nicht nur unterliegen, sondern auch selbst zuletzt zur Ausbildung des Ganzen dienen
3. Das Menschengeschlecht ist bestimmt, mancherlei Stufen der Kultur in mancherlei Veränderungen zu durchgehen; auf Vernunft und Billigkeit aber ist der dauernde Zustand seiner Wohlfahrt wesentlich und allein gegründet
4. Nach Gesetzen ihrer innern Natur muß mit der Zeitenfolge auch die Vernunft und Billigkeit unter den Menschen mehr Platz gewinnen und eine dauerndere Humanität befördern
5. Es waltet eine weise Güte im Schicksal der Menschen; daher es keine schönere Würde, kein dauerhafteres und reineres Glück gibt, als im Rat derselben zu wirken
Vierter Teil
Sechszehntes Buch
1. Vasken, Galen und Kymren
2. Finnen, Letten und Preußen
3. Deutsche Völker
4. Slawische Völker
5. Fremde Völker in Europa
6. Allgemeine Betrachtungen und Folgen
Siebzehntes Buch
1. Ursprung des Christentums samt den Grundsätzen, die in ihm lagen
2. Fortpflanzung des Christentums in den Morgenländern
3. Fortgang des Christentums in den griechischen Ländern
4. Fortgang des Christentums in den lateinischen Provinzen
Achtzehntes Buch
1. Reiche der Westgoten, Sveven, Alanen und Wandalen
2. Reiche der Ostgoten und Langobarden
3. Reiche der Alemannen, Burgunder und Franken
4. Reiche der Sachsen, Normänner und Dänen
5. Nordische Reiche und Deutschland
6. Allgemeine Betrachtung über die Einrichtung der deutschen Reiche in Europa
Neunzehntes Buch
1. Römische Hierarchie
2. Wirkung der Hierarchie auf Europa
3. Weltliche Schirmvogteien der Kirche
4. Reiche der Araber
5. Wirkung der arabischen Reiche
6. Allgemeine Betrachtung
Zwanzigstes Buch
1. Handelsgeist in Europa
2. Rittergeist in Europa
3. Kreuzzüge und ihre Folgen
4. Kultur der Vernunft in Europa
5. Anstalten und Entdeckungen in Europa
6. Schlußanmerkung
Plan zum Schlußbande
Fußnoten