Mittwoch, 10. Februar 2016

[ #Digitalisat ] Totentanz - Blockbuch aus Süddeutschland um ca. 1465/70

Metnitz Totentanz Originalfreske Quelle: Wikimedia

[Retrodigitalisat] Der Totentanz (französisch Danse macabre) ist die seit dem 14. Jahrhundert aufgekommene Darstellung der Gewalt des Todes über das Menschenleben in allegorischen Gruppen, in denen die bildliche Darstellung von Tanz und Tod meist gleichzeitig zu finden sind. Sie erlebten mit der Schwarzen Pest eine Blüte. Das Thema hat jedoch bis in die neueste Zeit nicht nur in der bildenden Kunst fortgelebt und angesichts der Katastrophen des I. und II. Weltkrieges zahlreichen Künstlern ein Motiv geliefert.

Totentanz. Als Totentanz bezeichnet man heute sehr viele Motive, die mit dem Tod in Zusammenhang stehen. Im engeren Sinne versteht man darunter jedoch eine aus dem Spätmittelalter hervorgegangene Darstellung, bei der Lebende und Tote entweder abwechselnd in Form eines Reigens oder paarweise ,tanzend' vorgeführt werden. Die Gattung ist bis heute in der bildenden Kunst, im Kunsthandwerk, in der Literatur, Film, Tanz, Theater und Musik gegenwärtig.

Die ältesten erhaltenen, bildlichen Zeugnisse lassen sich um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert datieren. Darunter gibt es noch heute einige Monumentalmalereien v.a. in Frankreich, Österreich, Italien, Deutschland und der Schweiz. Ihren Platz haben sie an Innen- oder Außenwänden von Kirchen, Beinhäusern, Karnern, Friedhofsmauern und Wohnhäusern. Der älteste bekannte, monumentale Totentanz Österreichs befindet sich in Metnitz/Kärnten (siehe Bild).


Blockbuch. Ein Blockbuch ist ein von Holzstöcken gedrucktes Werk in Bild und Text. Dabei wurden auf einem geglätteten Holzblock Zeichnung und/oder Text spiegelbildlich herausgearbeitet. Die zum Druck bestimmten Teile wurden dann eingefärbt und durch Anreiben der Papierrückseite, mit einem Lederballen einseitig oder mit einer einfachen Druckpresse beidseitig, auf das Papier übertragen. Man unterscheidet chiroxylographische (Bild vom Holzstock gedruckt, Text von Hand nachgetragen), xylographische (Bilder und Texte sind beide vom selben Holzstock) und typoxylographische (Bilder auf Holzstöcken, Texte in Typen gesetzt) Blockbücher, die sich nicht immer eindeutig trennen lassen. In Europa lässt sich die Verwendung von solchen "Holzstempeln" ab dem 12. Jahrhundert nachweisen: In Italien wurden auf diese Weise Stoffe bedruckt. Man vermutet, dass durch Spielkartenmaler diese Technik im 14. Jahrhundert auch nach Mitteleuropa gelangte.

Blockbücher bestehen meist aus beschrifteten Bilderfolgen - nicht unähnlich den comics- mit religiösem oder profanen Inhalt (z.B. Biblia pauperum, Apokalypse, Antichristus, Ars moriendi, Buchkalender, St.-Meinrad-Legende, Donat, Planetenbuch, Totentanz).

Die Datierung der europäischen Form erstreckt sich auf das 15. Jahrhundert, von einigen Wissenschaftlern wird sie schon vor der Weiterentwicklung der Buchdruckkunst durch Gutenberg um 1420 angesetzt, andere plädieren für einen späteren Zeitpunkt. Sie erlosch um 1530, wohl als folge des aufkommenden Buchdruckes mit beweglichen Lettern. Heute ist uns dieses Verfahren noch über den Holzschnitt oder den Linoldruck bekannt.

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