Mittwoch, 11. Januar 2017

[ #Digitalisat ] Cesare Ripa: Iconologia

Einer der bekanntesten und humanistisch gebildeten Ikonographen war Cesare Ripa, der Herausgeber eines der maßgeblichen Nachschlagewerke für die Bildung von Allegorien. Seine "lconologia" erschien zuerst noch unbebildert  (1593) und 1603 erstmals mit Illustrationen und wird bis heute in der Emblemforschung verwendet.

Musterbuch. In alphabetischer Reihenfolge waren in diesem Buch Begriffe aus dem Bereich der Tugenden und Laster, der menschlichen Affekte und Leidenschaften gesammelt. Man sieht jeweils eine Personifikation des Begriffs im Vordergrund des Kupferstichs – im Hintergrund eine Szene aus der Geschichte oder Mythologie, bei der der jeweilige Begriff eine relevante Rolle spielt. Erklärt ist diese Szene in einem kurzen lateinischen Text über dem Bild.  

Sinnbilder. In einer Anleitung erklärt Ripa sein System: Da die Sinnbilder Eigenschaften von Menschen wiedergeben sollten, müßten diese auch als menschliche Figuren dargestellt werden. Die Personifizierung der abstrakten Begriffe ergibt sich also - in Anlehnung an antike Philosophen - aus einem Analogieschluß. Zur individuellen Charakterisierung einzelner Allegorien solle man deren "Disposition" und "Qualität" beachten. Die "Disposition" sei die Wiedergabe eines psychischen Affektes, so daß die Figur durch Mimik und Gestik einen bestimmten Ausdruck erhalte. Als "Qualität" einer Figur nennt er z.B. deren Alter und ihre Proportionen. Weiterhin sollten die Sinnbilder durch Attribute so ausgestaltet werden, daß der darzustellende Begriff eindeutig zu erkennen sei. Diese Eindeutigkeit war eine zentrale Forderung Ripas, nach der er die künstlerische Qualität eines Werkes bemaß. Die zahlreichen Neuauflagen der "lconologia", besonders während des 17. Jahrhunderts, sind Beleg für den außerordentlichen Erfolg solcher Nachschlagewerk.

Cesare Ripa. Ripa (* um 1555 in Perugia; † 1622 vermutlich in Rom) war ein italienischer Ikonograph. Sein wichtigstes Werk ist die Iconologia (1593), ein ikonografisches Handbuch mythologischer und allegorischer Figuren und deren Attribute. 1603 erschien eine illustrierte Fassung. Es wurde zum unersetzlichen Handbuch für die bildenden Künstler des Barock in ganz Europa. Zahlreiche Übersetzungen ins Französische (1644, 1766), Holländische (1644, 1699), Deutsche (1705, 1760) und Englische (1709, 1779) belegen die große Nachfrage. Text und Illustrationen der einzelnen Ausgaben variieren stark. Das Werk ist noch heute von Bedeutung für die Emblemforschung.


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