Donnerstag, 5. November 2015

[ #Digitalisat ] Otto Bauer - Die Teuerung (deutsch, englisch, französisch,1914)

(FreE-Book) Der X. Internationale Sozialistische Kongress in Wien war für die Tage vom 23. bis 29. August 1914 geplant, aber im Juli 1914 war der österreichischen Sozialdemokratie klar, dass der Kongress wegen der drohenden Kriegsgefahr nicht in Wien durchgeführt werden konnte. Die Kongressberichte waren schon gedruckt ...

Ressource. Die Vorbereitungen für den Wiener Kongress waren aber schon weitgehend getroffen und ein Großteil der Kommissionsberichte an den Kongress und die Berichte der angeschlossenen Organisationen lagen gedruckt vor: einige in den drei offiziellen Sprachen der Internationale (Deutsch, Englisch und Französisch), andere in einer oder zwei der Sprachen.


Otto Bauer gilt heute als führender Theoretiker des Austromarxismus und prägende Figur der österreichischen Sozialdemokratie der Zwischenkriegszeit. Er hatte für die Sozialistische Internationale in Wien 1914 einen Bericht der Kommission, die sich mit der Teuerung befasst zu verfassen. Zugute gekommen dürfte diesem Bericht ein bereits 1910 von ihm in der Wiener Volksbuchhandlung erschienenes Werk sein (Die Teuerung. Eine Einführung in die Wirtschaftspolitik der Sozialdemokratie. Wien: Wiener Volksbuchhandlung 1910, 99 S.) Die vorliegende Ressource ist nicht nur ein hervorragendes wirtschaftshistorisches Werk.  Just wenige Tage vor dem ersten Weltkrieg der Druckerpresse entsprungen zeigt es uns eine Welt, die auf den Krieg wohl hinsteuern musste. Es zeigt uns einen Otto Bauer, der die wirtschaftliche Entwicklung und den Fortschritt des Kapitalismus anhand von Statistiken eigenständig interpretieren konnte (wo finden wir heute noch einen solchen Politiker), der scharf analysieren konnte und der mehr von Wirtschaft zu verstehen wusste als deren eigene Politikkaste. Und das beängstigende: So vieles daran scheint gerade heute wieder (oder noch) Gültigkeit zu haben.

Otto Bauer. Otto Bauer ( geb. Wien, am 5. September 1881, gest. Paris, am 4. Juli 1938), Sohn des wohlhabenden Textilindustriellen Philipp Bauer (1853–1913) und dessen Ehefrau "Käthe" Katharina Bauer, geborene Gerber (1862–1912), sowie Bruder von   Ida Adler (1882–1945), war seit 1900 Mitglied der "Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs" (SDAP) und zählte zu den Mitbegründern des kurz danach entstandenen Austromarxismus. Er studierte seit 1903 Rechtswissenschaft an der Universität Wien, wo er 1906 zum Doktor der Rechtswissenschaft (Dr. jur.) promoviert wurde. Während des Studiums lernte er   Max Adler (1873–1937), Rudolf Hilferding (1877–1941) und Karl Renner (1870–1950) kennen, mit denen er den Verein "Zukunft" als Schule für die Wiener Arbeiter gründete, die Keimzelle des Austromarxismus. Bauer war 1907 Mitbegründer, bis 1914 Schriftleiter und bis 1934 Mitherausgeber der Zeitschrift "Der Kampf. Sozialdemokratische Monatsschrift" (Wien), bis 1912 Lehrer an der sozialdemokratischen Parteischule und 1912 bis 1914 Redakteur der "Arbeiterzeitung. Zentralorgan der österreichischen Sozialdemokratie" (Wien) sowie Lehrer an der sozialdemokratischen Arbeiterschule. Außerdem war er 1907 bis 1914 Abgeordneter zum Österreichischen Reichsrat und Fraktionssekretär der "Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs".


Am Ersten Weltkrieg nahm Otto Bauer als Frontoffizier teil und geriet im November 1914 in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er im September 1917 entlassen wurde. Nach Wien zurückgekehrt, war Bauer vom Oktober bis November 1918 Unterstaatssekretär des Äußeren und vom November 1918 bis Juli 1919 Staatssekretär für Äußeres; zu seinen Mitarbeitern im Ministerium zählte die Soziologin  Käthe Leichter (1895–1942). Er setzte sich für die Auflösung Österreich-Ungarns und für den Anschluss Deutsch-Österreichs an das Deutsche Reich ein, war österreichischer Verhandlungsführer in Saint-Germain-en-Laye (Île-de-France) und trat schließlich von seinem Ministerposten zurück, weil er weder den Anschluss Österreichs an Deutschland erreichen, noch die Abtrennung Südtirols und des Sudetengebiets von Österreich verhindern konnte. 1919 bis 1934 war Bauer sozialdemokratischer Abgeordneter zum Österreichischen Nationalrat und Führer der österreichischen Sozialdemokratie, obwohl er weder Partei- noch Fraktionsvorsitzender war. Von Bedeutung wurde das unter seiner Leitung verfasste Linzer Parteiprogramm der "Sozialdemokratischen Arbeiterpartei" von 1926.

Noch während des Aufstands im Februar 1934 zur Verteidigung der Demokratie in Österreich flüchtete Otto Bauer in die Tschechoslowakei, wo er Mitbegründer des "Auslandsbüros der österreichischen Sozialdemokraten" (ALÖS) in Brno wurde, welches der Unterstützung der nunmehr illegalen sozialistischen Bewegung in Österreich und der Aufklärung des Auslands über die österreichischen Verhältnisse diente. Er war 1934 bis 1938 Redaktionsleiter der "Arbeiterzeitung. Organ der österreichischen Sozialisten" (Brünn [Brno]) und Herausgeber der Zeitschrift "Der Kampf. Sozialistische Revue" (Prag).

Im Mai 1938 emigrierte Otto Bauer nach Paris, wo er an der Konstituierung der "Auslandsvertretung der österreichischen Sozialisten" (AVÖS) mitwirkte und Herausgeber der Zeitschrift "Der sozialistische Kampf / La Lutte socialiste. Journal antihitlérien" (Paris) wurde.

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