Mittwoch, 27. Januar 2016

[ #eMaps ] Online: Der erste Europaatlas von Gerhard Mercator digitalisiert

Die British Library hat in ihrer Reihe "Turning the Page" Mercators Europakarte von 1554 digitalisiert online gestellt. 

Das fast 100seitige Werk zeigt auch eine Karte "Tyrolis" in der Teile Vorarlbergs dargestellt sind: Vom Arlberg übers Klostertal nach Bludenz bis Feldkirch und das Montafon mit dem "Illfluß".

Europæ descriptio. Europæ descriptio, eine Wandkarte von Europa aus 1554 in 15 Blättern (159×132 cm) (1572 überarbeitet). Mit dem Erscheinen dieser Karte wurde das schon lange überholte ptolemäische Weltbild weitgehend korrigiert. Die gegenseitige Position der europäischen Länder ist zum ersten Mal korrekt dargestellt. Für anderthalb Jahrhunderte diente Mercators Europakarte als Maßstab.

Inquisition. Um ein Haar wären Mercators kartographisches Werk, seine  Ideen und Erfindungen durch religiöse Intoleranz verhindert worden. Im Februar 1544 wurde Mercator  - wie so viele andere auch - der "Lutherei" beschuldigt und von der Inquisition als Ketzer in den Kerker geworfen. Nach einem halben Jahr kam er auf Intervention von Freunden, die offenbar genügend Einfluss besaßen, frei und so konnt er die Arbeiten an seiner grossen Europakarte fortsetzen. Als er1554 seine Europakarte fertiggestellt hatte, rief ihn Karl V. nach Brüssel. Mit einem Schlag war Mercator berühmt.


Gerhard Mercator. Gerhard Mercator (* 5. März 1512 in Rupelmonde, Grafschaft Flandern; † 2. Dezember 1594 in Duisburg) war ein Geograph und Kartograf, der schon zu Lebzeiten als der Ptolemäus seiner Zeit angesehen wurde und bis in die arabisch-islamische Welt berühmt war. Er hieß eigentlich Gerard de Kremer (latinisiert Gerardus Mercator, deutsch auch Gerhard Krämer).  Heute vorwiegend als Kartograf und Globenhersteller bekannt, war Mercator im 16. Jahrhundert auch als Kosmograf, Theologe und Philosoph von großer Bedeutung und setzte Maßstäbe als Schriftkünstler.

Mercator-Projektion. Seine wegweisende Ideen zur Navigation finden sich heute in jedem GPS-Gerät; Satelliten, Flugzeuge und Schiffe bewegen sich auf sicherem Kurs durch seine Grundlagenarbeiten zur exakten Orientierung; See- und Landkarten werden auch heute noch in der von ihm erdachten, mathematisch hoch komplexen Karten-Projektion erstellt.  Ihr Merkmal sind parallel in gleichen Abständen verlaufende Längengrade und ebenfalls parallel verlaufende Breitengrade, deren Abstände zu den Polen hin wachsen. Dadurch entstehen zwar in Bezug auf die Flächentreue erhebliche Überdehnungen in höheren Breiten. Auf diese Weise konnte er aber eine Karte entwickeln, die die gekrümmte Erdkugel in die Ebene bringt und dabei die ursprüngliche Form der Kartenobjekte erhält. Der große Vorteil von Karten in Mercator-Projektion ist nämlich, dass bei ihr Linien mit konstant gleicher Richtung als Geraden abgebildet werden und die Längengrade immer unter dem gleichen Winkel schneiden. Da die Winkelmessung bei der Navigation eine wesentliche Rolle spielt, ist dies ein entscheidender Vorteil. Dies erspart bei der Navigation mit Karte sowie mit Kompass und Sonnenstand ständige und komplizierte Umrechnungen. Weltkarten in der von ihm entworfenen „Mercator-Projektion" waren bis zum Aufkommen des GPS („Global Positioning System") für die Navigation in See- und Luftfahrt unverzichtbar.

Atlas. Das von ihm entwickelte Konzept „Atlas" wurde typenbildend für eine ganze Schriftengattung. In Gerhard Mercators Werk "Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura" findet sich das erste Mal der Begriff "Atlas" für ein Kartenwerk. Allerdings lehnt sich Mercator nicht an den Titanen Atlas der griechischen Mythologie an. Vielmehr beruft er sich auf einen mythischen König Atlas von Mauretanien, der hinter Atlasgebirge geherrscht haben sollte, dem er sein Werk widmete. Dieser sei ein weiser und menschlicher Mann gewesen, der den ersten Himmelsglobus angefertigt habe. Ob dieser König Atlas aber jemals gelebt hat, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Unternehmer. Bemerkenswert ist auch die rein privatwirtschaftliche Organisationsform von Mercators Wissenschaftsarbeiten. Er betrieb diese völlig privat und nicht als Gelehrter an einer Universität und betrieb einen "Handwerksbetrieb", ein Unternehmen. Beinahe ein halbes Jahrhundert lang hat er seine Karten selbst wissenschaftlich erarbeitet, dann selbst in Kupfer gestochen, auf der eigenen Presse gedruckt und im eigenen Verlag über ein eigenes Agentennetz vertrieben. An Mercators Arbeiten wird auch deutlich, dass Kartographie zu dieser Zeit weit mehr als nur ein Handwerk war. Sie erforderte nicht nur Wissenschaft sondern auch Kunst. Die Stiche, die Mercators Werk ergänzen, belegen dies anschaulich.

British Library (BL). Die  British Library ist die Nationalbibliothek Großbritanniens. Sie befindet sich in London und ist eine der bedeutendsten Forschungs- und Universalbibliotheken der Welt. Sie beherbergt mit über 170 Millionen Werken den weltweit größten Medienbestand aller Bibliotheken. Im Gegensatz zu anderen Nationalbibliotheken sammelt sie Bücher aus allen Zeiten, allen Ländern und in allen Sprachen und verwahrt Zeitschriften, Zeitungen, Broschüren, Tonaufnahmen, Patente, Datenbanken, Karten, Briefmarken, Kunstdrucke, Gemälde und vieles mehr. Ihre 25 Millionen Exemplare umfassende Büchersammlung wird nur noch von der US-amerikanischen Library of Congress in Washington, D.C., übertroffen. Der Bestand umfasst Werke bis zurück in die Zeit um 1600 v. Chr.

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