Freitag, 24. November 2017

[ #eAudio ] Adalbert Stifter: Kostenloses Hörbuch: Bergkristall – (Der heilige Abend)

Symbolbild
Bergkristall – (Der heilige Abend) ist eine Erzählung von Adalbert Stifter (1845/1853).

Die Erzählung Bergkristall erschien erstmals 1845 in der Zeitschrift Die Gegenwart und trug hier noch den Titel Der heilige Abend. 1853 fand sie dann in überarbeiteter Fassung unter dem Titel Bergkrystall (dann: Bergkristall) Eingang in die Sammlung Bunte Steine. Die Erzählung soll durch ein Bild des Stifter-Freundes Friedrich Simony inspiriert worden sein, das in eine Höhle geflüchtete Kinder zeigt. Auch traf er in Hallstatt ein Kinderpaar, das beim Erdbeerensammeln von einem Unwetter überrascht worden war und unter einem Felsen Schutz gesucht hatte.


Darum geht es: Zwei Dörfer sind nur durch einen engen Pass mitten in den Bergen verbunden. In Gschaid, der ärmeren der beiden Ortschaften, lebt ein Schuster, Sebastian, der durch fleißige Arbeit zu Wohlstand kommt. Er heiratet die Färberstochter Susanna aus dem Nachbardorf Millsdorf, was deren Vater nicht gerne sieht. Susanna schenkt ihm später zwei Kinder, Konrad und Sanna. Diese beiden gehen, sobald sie ein entsprechendes Alter erreicht haben, regelmäßig über den Pass, den so genannten Hals, zu den Großeltern nach Millsdorf, um diese zu besuchen. Doch in der Weihnachtsnacht geraten sie auf dem Rückweg in einen Schneesturm, verlieren den Weg und müssen die Nacht auf dem Gletscher verbringen. Am nächsten Morgen werden sie von den Suchmannschaften lebend gefunden. Durch dieses Ereignis werden Mutter und Kinder, früher in Gschaid als Nicht-Einheimische behandelt, zu Einheimischen. Gleichzeitig findet eine Aussöhnung zwischen Sebastian und Susannas Vater statt, der sich ebenfalls an der Suche beteiligte und erstmals seit der Hochzeit seine Tochter in Gschaid besucht.

Biedermeier. Der Bergkristall ist eine Novelle die sich in die Literaturepoche der Biedermeierzeit einordnen lässt. Dennoch gilt Bergkristall als die ergreifendste Erzählung, die Stifter geschrieben hat. Er schildert einerseits die Natur, in die die Kinder hineingeraten, und andererseits die Wirkung auf sie und für die um sie bangenden und sie suchenden Erwachsenen. Der Autor verwendet religiöse Motive: Zu Weihnachten verirren sich die Kinder im Hochgebirge, und als sie lebendig und wohlbehalten zu ihren Familien zurückkehren, ist das wie eine Auferstehung zum Osterfest. Diese Erzählung, die in der heiligen Nacht spielt, vermittelt also die Vorbereitungen zum bevorstehenden Geburtstag Jesu (Weihnachten), die Todesgefahr (Karfreitag), die Rettung aus der Todesgefahr (Ostern) und die anschließende Versöhnung (Pfingsten). Die Personen der Handlung feiern nicht nur die kirchlichen Feste, sondern erfahren deren Bedeutung am eigenen Leib und Seele. Der erste Satz der Erzählung ist also als „Programm“ aufzufassen: „Unsere Kirche feiert verschiedene Feste, welche zum Herzen dringen“.

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