Dienstag, 10. Januar 2017

[ #Digitalisat ] Der Hexenschabbas - Libretto zu Haydns Oper

[Retrodigitalisat] Das verschollen geglaubte Libretto von Haydns Oper "Der Hexenschabbas" wurde in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar aufgefunden. Freilich bleiben aber die Noten noch verschollen.

Marionettentheater in Schloss Esterháza . "Der Hexenschabbas" ist eine Marionettenoper, die 1773 erstmals aufgeführt worden ist. Der Text dazu stammt von Josef Karl von Pauersbach, dem Leiter des Marionettentheaters am Hofe des ungarischen Fürsten Nikolaus I. Bei Arbeiten zur Erschließung aller Bestände der Bibliothek sei man auf einen Textband mit der Aufschrift "Der Hexenschabbas. Ein Marionettenfest in einem Aufzuge" gestoßen.

Die Marionettentheater in Schloss Esterháza war längere Zeit eine besondere Liebhaberei Nikolaus I. (schon im Juli 1772 hatte der Fürst um 500 Dukaten Joseph Karl von Pauerbachs Marionettentheater gekauft). Aus diesem Grund vertonte Haydn damals mehrere Puppenspiele und hatte auf diese Weise auch die Gelegenheit, immer wieder seine zu Papier gebrachten Klänge zu prüfen und mit ihnen zu experimentieren. Das Marionettentheater des Fürsten Nikolaus dürfte wahrscheinlich für Maria Theresias ersten Besuch in Schloss Esterháza 1773 eröffnet worden sein. Sie sah die von Haydn vertonte Marionettenoperette "Philemon und Baucis" (zu der "Der Götterrath" gehört) auf der "ganz neuen Bühne". Im Herbst gleichen Jahres wurde auch "Hexen-Schabbas" gespielt. Bis 1776 hatte Schloss Esterháza kein eigenes Marionettentheater, das heißt nur die Bühne war vorhanden, eine permanente Leitung, Schauspieler und Musiker jedoch nicht.

Joseph Karl von Pauersbach. Mit Joseph Karl von Pauersbach wurde die Direktion 1776 in die Hände eines fähigen Mannes gelegt (zwischen 1771 und 1774 hatte er vier verschiedene Stücke für Wiener Puppentheater geschrieben) und die Blütezeit des Esterháza Marionettentheaters begann. Auf einmal waren sechs bis sieben Werke im Repertoire. Im Gothaer Theater-Kalender finden sich zu den Aufführungen mehrere Reporte aber auch die Nachlässe im Eisenstädter Archiv (unter anderem Rechnungen für Dekorationen und Puppenschnitzer) geben Aufschluss über die einsetzenden Aktivitäten in diesem Jahr.

Aus den Quellen erfährt man, dass die meisten Dekorationen aus der Hand von Travaglias stammen, andere wurden Cantini, "Monsieur Federico" und einem sogenannten "Förster" zugeschrieben. Die Ausstattung an Puppen scheint die Garderobičre, eine Frau Handl, gemeinsam mit verschiedenen "Frauenzimmern" gefertigt zu haben. Die meisten Puppenopern waren deutsche Singspiele, jedoch ohne Rezitative, und so wurden oft sowohl Sänger als auch Schauspieler (für die Dialoge) engagiert. Falls die deutschsprachigen Sänger nicht ausreichten, holte Haydn "Nachschub" vom Eisenstädter Kirchenchor, von Oedenburg oder Pressburg. Die Schauspieler waren Mitglieder von Wandertruppen, von denen die Karl-Wahr- Truppe die berühmteste war.

Aus einem "Advertissement" zu "Didone Abbandonata" von Phillip Georg Bader (1776) mit Musik von Haydn: " ... Übrigens ziert man dergleichen Stücke für das Auge, und Ohr auf – Ohne dieses sind Marionettenstücke unausstehlich! Wobei noch zu beobachten ist, dass sie um so viel mehr wirken je kürzer sie sind, und je mehr Abwechslung sie haben." Pauersbach verließ schon 1778 wieder den Hof von Fürst Nikolaus I. Als letztes bereitete er noch die Premiere des Stücks "Das ländliche Hochzeitsfest" für den Fürsten vor. Das bedeutete, dass die Blütezeit des Puppentheaters auf Schloss Esterháza vorbei war. 1779 findet sich nur noch "Die bestrafte Rachbegierde" auf dem Spielplan. Danach wurden die Aufführungsaktivitäten weitgehend eingestellt.

Von Pauersbach hat von 1776 bis 1778 für den Fürsten von Esterháza zwölf Stücke geschrieben. Man weiß bis heute nicht sicher, ob es sich ausschließlich um Opern handelte, die von Haydn vertont wurden, oder auch um Schauspiele, für die Haydn lediglich die Zwischenaktmusiken komponierte.


1779 kam es auf Schloss Esterháza zu einem großen Brand, bei dem mehrere wertvolle Stücke, die Haydn für das Schlosstheater geschrieben hatte, vernichtet wurden. Zum Glück sind nicht alle Puppenopern Haydns dem Brand zum Opfer gefallen. Das beweist der Katalog eines Wiener Musikalienhändlers von 1799, wo unter anderem auch drei seiner Marionettenopern angeboten wurden. Man weiß heute, dass die Marionettenopern auch an anderen Fürstenhöfen gespielt wurden (unter anderem am Fürstenberg´schen Hoftheater in Donaueschingen), was hoffen lässt, dass in Zukunft noch Partituren Haydns auftauchen.

Einige der Libretti sind in der Wiener Stadtbibliothek oder im Archiv in Eisenstadt verwahrt, andere auch in Budapest. 1790 starb Fürst Nikolaus I., der Prachtliebende, und sein Nachfolger Anton Esterházy (1790-1794) entließ fast alle Musiker und das gesamte Theaterpersonal.

Digitalisat. Das anonyme Werk ohne Erscheinungsvermerk umfasst zehn Blätter und enthält zwei Holzschnitte. Von dem Text wurden vermutlich zwei- bis dreihundert Exemplare gedruckt, von denen bislang allerdings keines eruiert werden konnte. Die Bibliothek hat das Werk bereits digitalisiert und online zugänglich gemacht.


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